08/2015 A.M. Homes: Das Ende von Alice

9783462043815_51996 sorgte A.M. Homes mit ihrem Roman „Das Ende von Alice“ weltweit für heftige Diskussionen – kein Wunder, ist dies doch genau die Zeit, in welcher Marc Dutroux ganz Belgien in Angst und Schrecken versetzt. Entsprechend lange dauerte es, bis Homes Roman endlich auf Deutsch erschienen ist. Klar, dass ich mich einem Buch, das solche Kontroversen hervorruft, widmen muss.

Chappy ist ein verurteilter Sexualstraftäter, der wegen Kindesmissbrauch bereits seit 23 Jahren seine Haftstrafe verbüßt. Durch die Briefe einer 19-jährigen Studentin, die die Ferien bei ihren Eltern verbringt und selbst wachsendes Interesse an einem Zwölfjährigen aus der Nachbarschaft hat, drängen sich Chappys Erinnerungen und Fantasien immer weiter nach vorne. Aus seiner Sicht schildert er uns – den Lesern, die er sogar bewusst anspricht und herausfordert – Erlebnisse aus seiner Kindheit (sexueller Missbrauch durch die eigene Mutter), seine Arbeit im Schuhladen, die einen tragischen Höhepunkt in der Vergewaltigung einer bewusstlosen Zwölfjährigen findet, bis hin zu seiner eigenen Flucht, um sich selbst unter Kontrolle zu bringen. Doch dann traf er Alice… Wie selbstverständlich spricht er über die sexuelle Anziehungskraft, die ein jugendlicher Körper auf ihn ausübt, kritisiert die Handlungen seiner „Brieffreundin“, die ihm scheinbar so ähnlich ist und ihn nicht loslässt. Doch auch das Leben im Gefängnis, welches ebenfalls gezeichnet ist von sexuellen Handlungen, wird schonungslos ausgebreitet. Doch hier spielt Chappy nicht die Rolle des unterwerfenden Mannes.

Mein Fazit:
A.M. Homes bricht mit ihrem Roman „Das Ende von Alice“ definitiv mit Tabus, lässt sie uns doch vollkommen in die Seele eines pädophilen Verurteilten blicken, für den Sex mit Kindern das natürlichste der Welt ist. Wie denkt ein solcher Mensch? Wie kommt es zu dieser Neigung? Kann man diese Unterdrücken? Fragen, die sich sicherlich jeder einmal gestellt hat, wenn in den Medien wieder einmal von verschwundenen Kindern berichtet wird, Politiker in Kinderpornoskandale verwickelt werden und und und. Homes kann auf die ein oder andere Art Antworten auf diese Fragen liefern, uns beständig einen Schauder über den Rücken jagen.

Das Ende von Alice ist zutiefst verstörend, doch oder gerade deshalb lässt es einen bis zum Ende nicht aus seinen grausigen Fängen.

A.M. Homes: Das Ende von Alice
Hardcover
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Seiten: 304
ISBN-13: 978-3462043815

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