19/2011 Anonymus: Das Buch ohne Namen

ehr unterschiedlich waren die Rezensionen, die ich bisher über „Das Buch ohne Namen“ gelesen habe. Von absolut genial bis wahnsinnig langweilig war hier wirklich alles dabei. Ob ich das lesen will? Doch Dank einer Leserunde habe ich meine anfänglichen Zweifel erstmal auf Seite gelegt und mich gemeinsam mit ein paar anderen Lesewütigen auf dieses Buch gestürzt. Ein Glück muss ich sagen, denn es hat sich wirklich gelohnt –  auch wenn ich in der Tat etwas anderes erwartet hatte.

Zum Inhalt:

Die Verlagsneschreibung selbst ist nicht so wirklich aussagekräftig:
„Zwielichtige Gestalten beherrschen die Straßen von Santa Mondega – der vermutlich einzigen Stadt der Welt, in deren Bars man nichr rauchen darf, sondern muss. Eine Sonnenfinsternis wird dieses gottverlassene Fleckchen Erde bald in völlige Dunkelheit tauchen und dann wird Blut fließen. Mehr Blut als sich irgendjemand vorstellen kann. Denn ein Fremder ist in der Stadt: The Bourbon Kid. “

Da das doch wirklich dürftig ist, fassen wir nochmal etwas detaillierter zusammen:
Kurz vor der alle 5 Jahre stattfindenden Sonnenfinsternis in Santa Mondega ist das „Auge des Mondes“ – ein blauer Stein mit unwahrscheinlicher Kraft – aus dem Kloster Hubal verschwunden. Genauer gesagt, es ist mal wieder kurz vor einer Sonnenfinsternis verschwunden. Gerüchte besagen, dass durch das Auge des Mondes die Gezeiten beeinflusst werden können, was schlimme Auswirkungen auf Santa Mondega und die dort lebenden Menschen haben würde. Wobei Menschen nicht der richtige Begriff ist, denn neben Menschen tummeln sich hier auch Werwölfe, Vampire und wer weiß was sonst noch. So befinden sich gleich mehrere Menschen auf der Suche nach dem kostbaren, mächtigen Stein: die Polizisten Somers und Jensen, zwei Möche, jede Menge Verbrecher und Auftragskiller sowie ein junges Paar, das scheinbar eher zufällig in diese Geschichte hereingeraten ist. Doch als wäre das nicht genug, befindet sich auch noch Bourbon Kid in der Stadt, der bei der letzten Sonnenfinsternis in Santa Mondega ein wahres Blutbad angerichtet hat. Und dann wäre da noch das „Buch ohne Namen“, das vielleicht des Rätsels Lösung ist, wenn nicht jeder, der darin liest, sterben würde…

Mein Fazit:
Zunächst fand ich es etwas abschreckend, dass es so viele wichtige Charaktere gibt und man von Kapitel zu Kapitel ständig bei einem anderen davon ist. Und bei 65 Kapiteln kommen da einige Sprünge zusammen. Aber das legte sich zum Glück recht zügig wieder und die wichtigen Charaktere haben sich doch schneller als erwartet in mein Gedächtnis gegraben.
Gleich von Anfang an gelingt es Anonymus eine ungeheure Spannung aufzubauen und den Leser immer wieder neu zum Rätseln zu animieren das Buch ja nicht aus der Hand zu legen. Auch wenn es unzählige Tote gibt, die auch meist auf sehr brutale Art und Weise aus dem Leben scheiden, so hatte ich nie das Gefühl, dass es komplett überladen oder zu blutrünstig ist. Hier sind die Beschreibungen zum Glück nicht allzu detailliert. Dennoch gehört es halt irgendwie zu Santa Mondega und den vielen vielen düsteren Gestalten dazu, dass auch einmal Blut fließt…oder ein paar Mal. Als dann auch noch Vampire und Werwölfe auf der Bildfläche erschienen, befürchtete ich zunächst, dass die Geschichte völlig in diesen Bereich ausbrechen würde, doch das blieb glücklicherweise aus. Es ist also keines der aktuell so beliebten Vampir/Werwolf/Gestaltenwandler-Bücher.
Ein einziges Manko habe ich jedoch gefunden: Der Erzählstrom hätte tatsächlich etwas flüssiger sein können. Wenn es gerade am spannendsten ist, springt man zunächst weiter zum nächsten Erzählstrang und ist erst nach mehreren Erzählsträngen wieder an der Auflösung der spannenden Stelle angekommen. Bis dahin hat sich die Spannung diesbezüglich aber bereits gelegt. 65 Kapitel sind dann doch wirklich zu viel bei 448 Seiten.

Ich kann dieses Buch aber wirklich jedem empfehlen, der Lust auf eine kurzweilige aber wirklich spannend-mysthische Lektüre hat und keine Angst davor hat, auf dem Weg durch Santa Mondega über einige Leichen zu stolpern.

Anonymus: Das Buch ohne Namen
Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 448
ISBN-13: 978-3785760109

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