28/2011 Douglas Coupland: JPod

Programmierer sind eine ganz spezielle Spezies: in sich gekehrt, weltfremd und mit möglichst wenig sozialen Kontakten. Zumindest ist das das gängige Bild, was man von Programmierern im Allgemeinen hat. Douglas Coupland entführt uns in seinem Roman „JPod“ mitten hinein in die Welt der Computerspielprogrammierer, speziell sogar in den JPod, einen Zusammenschluss aller Programmierer, deren Nachnamen mit J beginnen – daher dann auch der Name des Romans :) Und was wir hier erleben schweift dann doch in weiten Teilen von den Klischee ab, welches wir gerne von Programmierern haben – aber keine Angst, das ein oder andere Klischee bleibt natürlich erhalten 😀

Ethan Jarlewski nimmt uns mit auf eine Reise durch seine Welt. Mit möglichst wenig Motivation und Arbeitseifer und einem erstaunlichen Maß an Überstunden – wobei man sich oft genug fragt, warum denn da überhaupt überstunden anfallen, aber ganz klar: Alibi –  programmieren er und seine Kollegen nun eine Schildkröte (!) in das eigentlich schon fertige Skaterspiel hinein. Aber wenn der Sohn des Chefs nunmal auf Schildkröten abfährt…
Viel spannender als der Büroalltag ist jedoch Ethans Leben neben dem Büro:
Seine Mutter baut im Keller des Elternhauses Hanf an und muss schonmal zum Geldeintreiben große böse Rocker mit Pistolen bedrohen, und wenn dann noch ein kleines Hundchen seine Zähne in ihre Wade rammt, dann muss auch dieses kleine Lebewesen daran glauben.
Ethans Vater lebt seine Midlifecrisis vor der Kamera aus. Doch die erste Sprechrolle lässt ewig auf sich warten, dafür hat er aber nach kürzester Zeit eine Stalkerin an den Fersen, die er so schnell nicht mehr los wird und die zu allem Überfluss den Dude, die Lieblingspflanze von Ethans Mutter, zerstört.
Ethans Bruder weicht auch ein wenig von der Norm ab. Als Immobilienmakler hilft er nebenbei noch einen Menschenschmugglerring und quartiert mal eben eine ganze LKW-Ladung Flüchtlinge in Ethans Wohnung ein. Der Chef des Menschenschmugglerrings Kam-Fong zeigt sich hierfür erkenntlich und schleust sich gleich mit in Ethans Freundeskreis ein. Alle lieben ihn – und das nicht nur, weil er eine ganze Ladung Kokain in die JPod-Cola mischt.

Und natürlich darf auch Doglas Coupland selbst nicht fehlen. Wird er zunächst nur nebenbei erwähnt und sein schriftstellerisches Können belächelt, so sitzt er nachher Leibhaftig mit Ethan zusammen im Flieger nach China und bleibt bis zum bitteren Ende Element des Romans.

Was sich bereits bei der Zusammenfassung etwas konfus und turbulent anhört, entpuppt sich auch wirklich als rasante, abstruse und wirklich komische Geschichte mit vielen vielen besonderen Charakteren, die alle auf ihre Art liebenswert sind. Viele Leser mögen sich an den Einschüben stören, so liest man beispielsweise seitenlang Primzahlen oder bekommt Pi bis auf die 1.000. Stelle aufgeführt, doch für mich persönlich passte dies perfekt in die Geschichte. Erinnerte es mich doch in weiten Teilen an meinen Arbeitsalltag. Wobei wir unsere Zeit nicht mit lustigen Spielchen verbringen, sonder tatsächlich sehr konzentriert arbeiten. Aber auch wir haben mal unsere verrückten 5 Minuten.

Alles in allem kann ich diesen Roman nur wärmstens empfehlen:

Douglas Coupland: JPod
Hardcover
Verlag: Tropen
Seiten: 520
ISBN-13: 978-3-608-50103-2

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