22/2011 Kai Hermann: Engel und Joe

Kai Hermann dürfte dem ein oder anderen vermutlich in Bezug auf Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ein Begriff sein. Gemeinsam mit Horst Riek interviewte der die jugendliche und brachte die Geschichte 1978 als Buch heraus. Auch ich habe es erst kürzlich nochmals gelesen, weil man nach so vielen Jahren doch einiges vergisst. Engel und Joe ist sein einziges belletristisches Werk, doch auch dies spielt in der Berliner Ausreißerszene und beruht auf einer wahren Geschichte.  Vielleicht hat der ein oder andere von euch auch bereits den Film dazu gesehen mit Robert Stadlober in der Hauptrolle.
Ich kannte bisher weder den Film noch das Buch, wobei ich auf letzteres durch meine Recherche zu Christiane F. gestoßen bin.

Joe, eigentlich Johanna, doch so sie nur ihre Mutter und auch nur, wenn sie sauer auf Joe ist, ist 15 Jahre als und genießt  ihre Freiheiten so gut es nur geht. Dazu gehören auch gerne zerrissene Jeans und die ein oder andere Alkoholerfahrung. Als Joes Quasi-Stiefvater ihr eines Morgens eine scheuert, weil sie bis 4 Uhr Nachts weg war und dann auch noch mürrisch und unhöflich ist, und ihre eigene Mutter sich nicht auf ihre Seite stellt, haut Joe einfach ab. Und wohin geht man als jugendliche Ausreißerin in Berlin: erstmal auf den Alex. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Engel zum ersten mal, als er von Polizisten verprügelt um ein wenig Kleingeld bittet, um sich einen Krankenwagen rufen zu können.

Später auf dem Alex entpuppt Engel sich als Retter in der Not. Während Joe von Glatzen herumgeschubst wird, schreitet er ein und nimmt sie anschließend mit zu sich und zwischen dem 17jährigen Punk und der 15-jährigen Ausreißerin entwickelt sich schnell mehr. Doch der jungen Liebe stehen einige Schwierigkeiten bevor, die bei Joes Mutter gerade erst anfangen.

Mein Fazit:

Wirklich gefesselt hat mich das Buch leider nicht. Sowohl Engel und Joe sind wirklich interessante Charaktere, über die man jeweils gerne mehr erfahren hätte, doch leider bleibt dies dem Leser eher verwehrt. Insgesamt wirkte die gesamte Geschichte auf mich doch eher platt, was vermutlich an der Erzählperspektive und der Jugendsprache liegt. An vielen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht und dass die Protagonisten sich etwas intensiver mit den Problemen, die sich ergeben, auseinandersetzen. Aber da es sich um eine wahre Geschichte handelt, ist es immer schwierig genau an diesen Punkten Kritik zu üben.
Und natürlich darf man hier die eigentliche Zielgruppe nicht außer acht lassen, die eher im Alter zwischen 14 und 17 angesiedelt ist. Ich denke hier wird das Buch ganz anders ankommen und der für mich fehlende Tiefgang vermutlich etwas weniger vermisst.

Kai Hermann: Engel und Joe
Taschenbuch
Verlag: Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 5 (August 2007)
Seiten: 304
ISBN-13: 978-3551356444

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